Schwarmkultur e.V.

Im September 2015 wurde in Gau-Algesheim der Verein „Schwarmkultur – Initiative zur Förderung kultureller Bildung und Soziokultur“ gegründet, der auf besondere Art und Weise einheimische Jugendliche mit jungen Geflüchteten zusammenbringt. Gemeinsam erforschen und bewirtschaften die jungen Leute Honigbienen. Im September wurde der Verein für die ökologischen und sozialen Verdienste des Projekts von den Vereinten Nationen und dem Bistum Mainz ausgezeichnet. Die Neue Binger Zeitung unterhielt sich über die besondere Verbindung von Ökologie und Flüchtlingshilfe mit der Gau-Algesheimerin Karin Then. Die Erzieherin ist pädagogische Leiterin und Mitbegründerin des Vereins.
 Was sind die Ziele von Schwarmkultur e.V.?
Die „Schwarmkultur – Initiative zur Förderung kultureller Bildung und Soziokultur“ entwickelt partizipative Kulturprojekte. Diese haben das Ziel, die kulturellen, ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge einer nachhaltigen Entwicklung begreifbar zu machen und künstlerisch zu verarbeiten. Letztlich zeigen wir, dass Solidarität – mit der Artenvielfalt vor der eigenen Haustür genauso wie mit Menschen aus anderen Kulturkreisen – Spaß macht und uns weiter bringt.
 Was hat Sie zur Gründung von Schwarmkultur bewegt?
Wir beschäftigen uns schon ziemlich lange mit innovativen Bildungsprozessen. Als ehemalige Stipendiatin der Hertie-Stiftung, die sich in einem Programm für angehende Erzieherinnen unter anderem für Vielfalt und vorurteilsbewusstes Miteinander einsetzt, ist es mir wichtig, Formate zu entwickeln, in denen sich verschiedene Gruppen begegnen, austauschen und kreativ werden können. Die Honigbienen helfen uns auf den Geschmack der Vielfalt zu kommen. Und der Verein ist eine passende organisatorische Plattform dafür, weil wir für unsere Arbeit Unterstützer brauchen.
Was verbirgt sich hinter der „Kulturimkerei“? 
Die „Kulturimkerei“ ist eigentlich der Kern unserer Vereinsarbeit. Ausgangspunkt ist das gemeinsame Imkern von einheimischen und flüchtenden Jugendlichen. Die Idee der „Kulturimkerei“ funktioniert zwischen unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen. Mit Henning Priesel, dem Leiter des Dekanats Bingen, haben wir die erste Variante verwirklicht und gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde in Gau Algesheim den Dachstuhl der Pfarrkirche St. Cosmas & Damian in ein Bienenhaus transformiert. Der Bezug zur Kirche ist sehr spannend und inspirierend: Zum einen wird der Gedanke der Bewahrung der Schöpfung immer wichtiger. Vor allem aber fußt das Christentum auf den im Alten Testament erzählten Erfahrungen von Hunger, Flucht und Identitätssuche.
Was war der Ansatz für das Vereinsprojekt „Schwarmzeit“?
Die „Schwarmzeit“ geht, wie der Imker weiß, von März bis Juli und war in unserem Fall auch ein kooperatives Fotoprojekt von jugendlichen Flüchtenden und einheimischen Teenagern. Mit Fotos und Filmen haben wir gegenseitige Portraits inszeniert und Momente des Aufbruchs und der Veränderung thematisiert.
Wo waren für Sie die Herausforderungen?
Die besondere Herausforderung war die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zusammen zu bringen. Die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler und die von den flüchtenden Jugendlichen unterscheiden sich sehr. Auf der einen Seite ist es wichtig die unterschiedlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und die Jugendlichen so sein zu lassen, auf der anderen Seite wollen wir die Aufmerksamkeit auf Gemeinsamkeiten lenken und die Jugendlichen füreinander und für ihre unterschiedlichen Lebenswelten sensibilisieren.
 Was steht in naher Zukunft an?
Wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung der „Kulturimkerei“ und ergänzen sie um einen Färbergarten, in dem Pflanzen zum Herstellen von natürlichen Farben wachsen, die die Bienen lieben und ebenfalls nutzen können. Mittelfristig suchen wir ein altes Backsteingebäude mit Garten und großem Innenhof für die Kulturimkerei. Dazu gehört auch ein Schwarmlabor, eine Honiggalerie, Fortbildungsräume und vieles mehr.
(Neue Binger Zeitung KW 43, 2016)
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